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Arnolt Bristol Deluxe 1957

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History Arnolt Bristol



Arnolt-Bristol ist ein zweisitziger Sportwagen, hergestellt in den Jahren 1954-1959. Er hat britische, italienische, deutsche und amerikanische Wurzeln! Das Auto wurde in mehreren Karosserieversionen angeboten und vornehmlich in den USA verkauft. Heute zählt er zu den äusserst exklusiven Oldtimern, die nur sehr selten auf dem Markt angeboten werden. Die Preise sind regelmässig sechsstellige Euro-Beträge. 2013 wurde ein Fahrzeug für € 350'000 angeboten, 2012 wurde eines in England verkauft für £ 225'000, und an der RM-Versteigerung in Monterey vom 15./16. August 2014 wechselte eines für $ 550'000 die Hand. Die ungebrochene Wertsteigerung dieser Wagen lässt es ratsam erscheinen, genau auf deren Authentizität zu achten.

Es ist ein grossartiges Vergnügen, dieses Fahrzeug zu bewegen. Stramme 130 PS bringen den 900 kg leichten Roadster flott in Fahrt. Die Gangwechsel überzeugen mit ihrem genauen Ein- und Ausrasten. Das Auto fährt präziser und flinker als ein Mercedes 300 SL und lässt das Rennsportgefühlt der fünfziger Jahre mit Leib und Seele neu erleben.

Die Initiative zur Entwicklung des Arnolt-Bristol ging auf den amerikanischen Geschäftsmann Stanley H. Arnolt (geboren 1907), genannt "Wacky" zurück. Dieser war Spross einer Buchbinderfamilie, entschied sich aber später für den Beruf eines Fahrzeug-Ingenieurs. Während der Weltwirtschaftskriese erwarb er sich die Rechte am Waukesha-Aggregat (daher sein Spitzname "Wacky") der gleichnamigen Firma in Wisconsin. Dabei handelte es sich um Hilfsmotoren für Segeljachten. Dies verhalf ihm zu einem Vermögen: Mit Ausbruch des zweiten Weltkrieges benötigten tausende von Barkassen und Rettungsboote der US-Marine seine Einliter-Vierzylinder. Nach dem Krieg verstand er es, seinen Wohlstand zu vermehren. Er hatte ein feines Gespür dafür, wonach der Markt verlangte, und er lieferte. Er entwickelte Arnelite, einen Scheinwerfer für die Marine, setzte dann auf Ruderboote und Wohnanhänger, importierte deutsche Benzinpumpen und englische Vergaser in die USA und vertrieb Velo-Solex, Strandstühle und Aschenbecher. 1950 gründete er in Chicago eine Importfirma für Aston Martin, Bristol, MG und Rolls-Royce. Er kaufte sich in Mexiko eine Kokosnuss-Plantage und ging dann daran, sich einen lang ersehnten Traum zu erfüllen: Wacky als Automobil-Tycoon.

1952 traf Wacky am Automobilsalon von Turin auf den noch wenig bekannten Bertone, dessen Firma kurz vor den Aus stand. Bertone hatte ein adrettes, auf Basis des MG TD mit moderner Ponton-Karosserie gestaltetes Coupé ausgestellt. Wacky wollte davon sofort 100 Stück kaufen – 65 Coupés und 35 Cabriolets. Insgesamt wurde eine Serie von 200 Fahrzeugen geplant. Bertone soll nach diesem Angebot einen Schwächeanfall erlitten haben. So aber entstand der erste Wagen, der den Namen Arnolt trug: Arnolt-MG – ausschliesslich für den US-Markt bestimmt. Es war ein hübsches Wägelchen, aber schwer und furchtbar langsam (54 PS). Die Fahrleistungen entsprachen in keiner Form dem Aussehen. Der Verkauf war schwierig und nach 103 Exemplaren stellte MG die Lieferung von Fahrgestellen ein.

Bertone, genauer sein genialer Designer Franco Scaglione, verkleidete als nächsten den Aston Martin 2/4, insgesamt sieben Stück, sechs Roadster und ein Coupé (die alle noch existieren). Doch auch Aston Martin war nicht glücklich mit den Aktivitäten von Wacky und schon nach dem dritten Exemplar wurde der Weiterbau verboten.

Nun hatte Wacky ein Problem: Er hatte Bertone mindestens 200 Fahrzeuge versprochen, und der Italiener bestand auf seinem Vertrag. Also brauchte es dringend ein neues Chassis. Und so kam man auf Bristol, denn dort gab es nicht nur gute Chassis, sondern auch einen guten Motor. Der Reihen-Sechszylinder mit 2 Liter Hubraum und seinen 130 PS war in den frühen 50er Jahren sehr konkurrenzfähig, obwohl er schon ein paar Jahre auf dem Buckel hatte: Er stammt direkt vom BMW 328 ab. Dieses Aggregat erlebte in der unmittelbaren Nachkriegszeit eine eigentliche Blüte aus den von ihm abgeleiteten Eigen- und Umbauten. Dies lag einerseits daran, dass der Motor als beinahe einziger in Deutschland konkurrenzfähig und dazu noch in ausreichender Zahl vorhanden war, zum andern auch, dass er mit seinem Hubraum von 2 Litern ideal unter die Bestimmungen der vom Internationalen Automobilverband FIA neu eingeführten Formel 2 fiel und daher vielen Rennfahrern im In- und Ausland Gelegenheit bot, auf einfache Weise zu einem geeigneten Rennwagen zu kommen.

Arnolts Wahl fiel auf das Chassis des Bristol 404, eines 1953 vorgestellten hochpreisigen Sportwagens, mit dem erstmals der Begriff "Gentleman’s Express" assoziiert wurde. Der Aufbau des Fahrzeuges erfolgte wiederum bei Bertone. Doch es gab ein grosses Problem: Der BMW-, bzw. Bristol-Sechszylinder baute extrem hoch und Arnolt verlangte einen niedrigen Sportwagen. Scaglione fand eine hinreissende Lösung: In der Mitte hob er die Motorhaube stark an, liess sie dann weit herunterfallen, um die vorderen Kotflügel wieder weit nach oben zu ziehen.

Arnolt hätten den Sportwagen – um ihn möglichst leicht werden zu lassen – gerne in Alu eingekleidet, entschied sich dann aber doch für Stahlblech. Es gab dafür zwei Gründe: Bertone hatte Probleme, die scharfen Kanten in Aluminium auszuformen und ihnen Stabilität zu geben. Zudem war Alu damals in den USA noch kaum bekannt, und man traute amerikanischen Werkstätten den Umgang mit diesem Werkstoff bei Reparaturen nicht zu. Aber dieses Auto sollte ja in erster Linie in den Vereinigten Staaten verkauft werden. Erst am Schluss der Produktion sollen für Renneinsätze noch drei Wagen aus Alu hergestellt worden sein.

Die Kraftübertragung erfolgte über ein von Hand geschaltetes Vierganggetriebe, das mit dem des Bristol 404 identisch war. Wichtig ist: Die Arnolt-Bristol waren immer Bristol-Arnolt, ab Werk wurden nie andere Motoren eingebaut (also auch keine Chevrolet- oder Pontiac-Maschinen).

Die Chassis samt Motor wurden bei Bristol produziert, dann mit der Bahn nach Turin verfrachtet, wo Bertone den Aufbau fertigte, und schliesslich nach Chicago verschifft, wo Arnolt den Wagen den letzten Schliff verabreichte. Insgesamt wurden 142 Chassis hergestellt. Davon wurden 12 bei einem Brand ein Raub der Flammen. Somit entstanden 130 dieser grossartigen Autos, von denen heute noch 38 registriert sind. Vier Karosserieversionen waren lieferbar:

  1. Die einfachste Version hatte die Bezeichnung Competition. Sie verfügte lediglich über einen niedrigen vorderen Windabweiser. Der Wagen hatten keine Stossstangen, kein Verdeck und eine vereinfachte Innenausstattung.
  2. Bolide bezeichnete den Sportwagen. Er war äusserlich mit dem Competition-Modell identisch, verfügte aber über ein Stoffverdeck.
  3. Besser ausgestattet war die Deluxe-Version, die über eine Windschutzscheibe, herkömmliche Stossstangen, lederbezogene Sitze sowie ein umfangreich bestücktes Armaturenbrett verfügte.
  4. Mit dem Modelljahr 1956 wurde eine Coupé-Version angeboten, mit erhöhtem Dach, manuell zu betätigenden Seitenscheiben und einem Fliessheck. Von dieser Ausführung wurden 6 Stück gebaut.

Die Arnolt-Bristol wurden mehrfach von amerikanischen Automobilzeitschriften getestet. Diese lobten das Handling des Wagens und waren der Ansicht, dass er das "vielleicht beste Fahrverhalten aller bisher getesteten Autos" hatte. Besonders gelobt wurde das Bremsverhalten. Das Leichtgewicht war sauschnell und vermittelte grossen Fahrspass: "Man kann den Wagen richtig rannehmen und um die Ecken jagen. Das exzellente Fahrwerk und die robuste Technik schaffen ein solides Vertrauensverhältnis. Und schön ist der Wagen auch".

Der Wagen war auch für Rennen geeignet. Höhepunkte aus der Renngeschichte waren 1955 und 1956 Siege beim 12-Stunden-Rennen von Sebring, und das mit dem Einsatz von drei normalen Produktionswagen.

Das vorliegende Fahrzeug ist in perfektem und absolut korrektem Zustand (2004 komplett restauriert) und besitzt auch die entsprechenden FIFA-Papiere. Diese Deluxe-Version verfügt über maching numbers und ist eines von nur drei Exemplaren mit im Heck zentral angeordnetem Benzineinfüllstutzen (Benzintank "stehend" hinter den Sitzen) und einem im Kofferraum befindlichen Ersatzrad. Die übrigen Ausführungen hatten einen liegenden Benzintank im Kofferraum und das Ersatzrad unter dem Kofferraumboden. Die sieben Vorbesitzer sind lückenlos bekannt.