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Mercedes-Benz 300 SL Roadster 1960

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Baujahr 1960
2996 ccm
215 PS

History Mercedes 300 SL


Von manchem Mobil wird nur geträumt, wenn es noch neu bei den Händlern zu bekommen ist – meist natürlich für Unsummen. Steht dann die Ablösung in Form eines Nachfolgers parat, ist der einstige Traum schnell vergessen. Beim Mercedes 300 SL ist es anders: Flügeltürer und Roadster sind heute mindestens so begehrt wie in den 50er und 60er Jahren. Der 300 SL ist zu einer automobilen Ikone geworden. 1999 wurde er zum "Sportwagen des Jahrhunderts" gewählt.

Angefangen hat es damit, dass Mercedes am 15. Juni 1951 beschloss, einen Sportwagen für den Renneinsatz zu bauen. Verantwortlich für die Entstehung bezüglich Form und Technik war der geniale Ingenieur Dr. Ing. h.c. Rudolf Uhlenhaut. Das Projekt des 300 SL – 300 steht für ein Zehntel des Hubraums, die Zusatzbezeichnung "SL" für "Sport Leicht" – war radikal und darauf ausgelegt, jeder Konkurrenz die Stirn bieten zu können. Am 12. März 1952 wurde der Original-SL (W194) präsentiert und sein Konzept stimmte von Anfang an. Charismatisch wurden die beiden Buchstaben als im gleichen Jahr grandiose Siege eingefahren wurden: Der Doppelsieg von Karl Kling und seinem Copiloten Hans Klenk sowie Hermann Lang und Erwin Grupp beim berüchtigten, materialmordenden Langstreckenrennen der Carrera Panamericana, der Sieg im Rennen von Bern, der Doppelsieg bei den 24 Stunden von Le Mans und der Dreifacherfolg am Nürburgring.

Eine Serienfertigung des 300 SL war zunächst nicht geplant. Die Idee, eine Strassenversion zu bauen, stammte von Max Hoffmann, dem brillanten Verkäufer und Importeur von Mercedes Fahrzeugen in den USA. Er war überzeugt davon, auf dem nordamerikanischen Kontinent 1000 strassentaugliche Exemplare des 300 SL verkaufen zu können. Am 6. Februar 1954 wurde der Strassensportwagen des 300 SL (W198) auf der Motor Show in New York vorgestellt und allen war klar, dass die Welt mit Mercedes wieder rechnen musste.

Das auffälligste Merkmal der atemberaubenden Karosserie waren die Flügeltüren, welche auf Grund der Fahrzeugkonstruktion nötig wurden. Erst nach der Konstruktion des neuen Gitterrohrrahmens, dessen Grundprinzip aus dem Flugzeugbau stammte, fiel auf, dass herkömmliche Türen nicht einsetzbar waren. Dies war die Geburtsstunde der Flügeltüren, die im englischsprachigen Raum dafür verantwortlich waren, dass man dem Modell den Beinamen "Gullwing" (Mövenflügel) gab. Das Einsteigen in diese Fahrzeuge erfordert Übung aufgrund des knappen Raums und der breiten Seitenteile der Karosserie. Ausserdem kann es im Innenraum, besonders bei Sonneneinstrahlung, recht warm werden. Gebaut wurde die geschlossene Version bis 1957. Danach gab es den 300 SL nur noch als Roadster (produziert bis 1963). Dies wurde erst durch eine veränderte Rohrrahmenkonstruktion möglich. Wieder blickte man bei dieser Entscheidung auf den US-Markt, wo offene Autos im Trend lagen. Ab 1958 gab es den Roadster auch mit Hardtop. Die Perfektionisten bei Mercedes-Benz wollte sowohl einen offenen als auch einen wettertauglichen SL.

Die Technik des 300 SL basierte zum Teil auf der Limousine Typ 300 "Adenauer" (W186 II). Der Sechszylinder-Motor wurde stark modifiziert und erhielt unter anderem statt des Vergasers eine Benzineinspritzung, zur damaligen Zeit und noch lange danach eine technische Besonderheit. Der Motor hatte eine Leistung von 215 PS. Damit wurden je nach Hinterachsübersetzung Spitzenwerte bis zu 260 km/h erreicht. Die Serienübersetzung ermöglichte Höchstgeschwindigkeiten von 235 km/h und war vorallem auf eine hohe Beschleunigung abgestimmt.

Der Wagen übte auf Menschen und Medien schon damals grosse Faszination aus – leisten konnten ihn sich aber nur wirklich Wohlhabende. Filmdiva Zsa Zsa Gabor, der Zeitungskönig William Randolph Hearst, Adelige wie der Herzog von Edinburgh und Schah Reza Pachlevi, der Rock’n Roll- König Elvis Presley gehörten ebenso dazu wie Juan Perón, Stavros Niarchos, Juan Manuel Fangio, Herbert von Karajan, Tony Curtis, Henri Nannen, Sophia Loren, Gina Lolobrigida, Romy Schneider Clark Gable, Curd Jürgens, Gunter Sachs, Glenn Ford, Horst Buchholz und Pablo Picasso.

Mit diesem Fahrzeug hat Mercedes-Benz wieder an die grossen Erfolge vor dem zweiten Weltkrieg angeknüpft. Damit festigte der älteste Automobilhersteller sein Renommee als wohl bekannteste Marke der Welt, der seit seiner Gründung äusserst erfolgreich operierte. Der Markenname Mercedes-Benz ergab sich aus dem Zusammenschluss der Marken Mercedes (von der Daimler-Motoren-Gesellschaft) und Benz (von Benz & Co.) im Jahr 1926.

Gottlieb Daimler (eigentlich Däumler; 1934 – 1900) war ein deutscher Konstrukteur und Industrieller. Nach einer Ausbildung zum Büchsenmacher studierte er Maschinenbau. 1865 trifft er Wilhelm Maybach, mit dem zusammen er den ersten Einzylinder-Viertaktmotor entwickelte und den Einsatz von Benzin als Treibstoff optimierte. 1885 konstruierten die beiden den "Reitwagen", das erste Motorrad der Welt. Darauf folgte die Erfindung des ersten Motorbotes. 1886 baute Daimler seinen Motor in eine von Wilhelm Wimpff gefertigte Kutsche, womit er als Erfinder der vierrädrigen Kraftwagen gilt. 1887 baute er einen Motor in eine "Ausstellungsbahn" (Strassenbahn) und nicht lange danach in einen Lastkraftwagen. 1888 rüstete er die Gondel eines Gasballons mit einem Motor aus und so entstand eines der ersten Luftschiffe. 1899 liess er sich von Maybach einen Rennwagen bauen, der auf den Namen "Mercedes" getauft wurde (nach dem Vornamen der Tochter von Daimlers österreichischem Fahrer, Konstrukteur, Händler und Generalkonsul Emil Jellinek). Der Markenname Mercedes diente nicht zuletzt dazu, rechtliche Schwierigkeiten mit dem Namen Daimler im Ausland zu umgehen, da dort andere Firmen die Lizenz auf Daimler-Motoren bzw. damit angetriebene Fahrzeuge erworben hatten.

Gottlieb Daimler hat die andere dominierende Figur der Firmengeschichte, Carl Friedrich Benz (1844 – 1929), nie persönlich kennen gelernt. Dieser deutsche Ingenieur und überragende Autopionier wurde als uneheliches Kind der Josephine Vaillant 1844 geboren. Ein Jahr später heiratete sie den Lokomotivführer Johann Benz, der ein Jahr nach der Hochzeit starb.

1878/79 kreierte Benz einen verdichtungslosen Zweitakt-Verbrennungsmotor und später einen leichten Viertaktmotor. Er entwickelte den Differentialantrieb und andere Kraftfahrzeugelemente weiter, wie die Achsschenkellenkung, die Zündkerzen, die Riemenverschiebung als Kupplung, den Vergaser, den Kühler mit Wasser und die Gangschaltung. So konnte er 1885 das erste Benzinauto, ein dreirädriges Fahrzeug mit Verbrennungsmotor und elektrischer Zündung bauen, welches erstmals 1886 in Mannheim fuhr. Es hatte 0,8 PS und die Höchstgeschwindigkeit betrug 18 km/h. Mit der Patentanmeldung am 29. Januar 1886 schrieb er Industriegeschichte, obwohl er zu Beginn in der Öffentlichkeit für seinen "Wagen ohne Pferde" viel Spott erntete. Seine Frau Bertha Benz unternahm 1888 die erste Fernfahrt von Mannheim nach Pforzheim (45 km), wobei in Wiesloch ein Apotheker Kraftstoff zur Verfügung stellen musste. Somit wurde die Wieslocher Stadt-Apotheke zur ersten Tankstelle der Welt.

Der vorliegende 300 SL Roadster ist in einem absolut perfekten Zustand und verfügt natürlich auch über ein Hardtop. Das Auto wurde 1992 bis 1994 aufwändigst vom Rahmen getrennt restauriert. Die Restauration erfolgte unter der Regie des schweizerischen 300 SL-Enthusiasten Hans Hürlimann, der als Mitbegründer des 300 SL-Clubs und Autor des Standardverzeichnisses über 300 SL-Coupés bekannt ist. Sein Name steht aber auch für den bedeutendsten Schweizer Traktorenfabrikanten.